56 Tage

Seitdem ist die Schule geschlossen. Und ehrlich: Es treibt mich in den Wahnsinn. Zum einen kann man den Teeny nicht animieren regelmäßig die Schulaufgaben zu erledigen und zum anderen steht man dann wie ein Schaf auf der Weide, wenn es blitzt. Ich kann mich nicht entsinnen, dass Mathe in der 5. Klasse so kompliziert war. Oder ich habe es einfach nur verdrängt. Ich frage mich, ob es anderen Eltern auch so geht. Oder ob sie Instalike alles perfekt machen. uhh, ich hier im Homeoffice und die Kinder lernen brav und hier uuuh wie wir sportlich sind und Salat futtern Wo ist die Realität? Wo stapelt sich die Wäsche und der Abwasch? Wo sind die bockigen Kinder? Wo die genervten Eltern? Wo ist die Flasche Rum, die man sich reinkippen will damit der Tag rumgeht? OK, das letztere war vielleicht übertrieben aber ihr wisst schon was ich meine. Dazu das man mit sich selber Klar kommen muss und mein Partner ist ja auch noch da. Ich will, dass das ein Ende hat und das Jahr so weitergeht wie es geplant war. Dass der Teeny in die Schule geht und die Lehrer sich mit denen duellieren muss (Danke dafür) Ich hätte gern einfach mal wieder ein Stück Normalität. Zumindest das alles wieder erträglich ist.

Meiden sie soziale Kontakte…

Ja natürlich. Kein Problem. Ich isoliere mich auch ohne Krise und kann meine Kontakte nicht aktiv halten. Zum Glück herrscht bei uns noch keine Ausgangssperre. Aber die paar Tage zusammen gepfercht nerven jetzt schon manchmal. Unser Tween sitzt lieber vor dem PC und zockt Fortnite und ist allgemein nicht wirklich zugänglich für gemeinsame Sachen. Was den Tagesablauf doch sehr stört. Ich komme oft an den Punkt einfach liegenzubleiben oder einfach den ganzen Tag zu verschlafen. Unsere Paartherapie wurde nun auch abgesagt und wir bekamen wenigstens eine Telefonberatung für nächste Woche. Die Lage spitzt sich hier gern schnell und hart zu. Da mag ich aber nicht ins Detail gehen. Bin einfach zu müde dafür. Seine Tagesklinik wurde auch geschlossen so sitzen wir beide Dropse nun zu Hause und wissen nichts mit uns anzufangen. Ich glaube Corona macht alles noch schlimmer. Allen in allen läuft es besonders Beschissen für mich. Mal wieder. Ach und wann ich nun nach meiner Krankengeldaussteuerung mein ALG I bekomme, steht in den Sternen. Die blöden Hotlines sind ausgestellt oder überlastet und auf E-Mail antwortet sowieso keiner. Aber Hauptsache alle die jetzt Probleme bekommen und nächsten Monat dumm da stehen wird eher geholfen. Ich hab ja nur Familie und seit Ende Februar kein Geld erhalten. Ich gehe mich echt eingraben.

Die kleinen Schritte zählen

Ich kämpfe mich wirklich tapfer durch. Es gibt Tage da denk ich darüber nach meine Medikamente wieder zu starten und anders wiederum das ich es auch ohne schaffe. Heute habe ich einen guten Tag vielleicht hat es ja damit zu tun, dass ich jetzt eine Hypnose App zum Einschlafen probiert habe. Oder vielleicht, weil ich einen großen Schritt wegen meiner Zahnarzt-Angst gemacht habe. Gestern sind wir mit dem groben fertig geworden und nun geht es an den Aufbau. Ehrlich ich schäme mich dafür. Ich bin erst 34 und habe so schlechte Zähne. Aber ich trauere nicht mehr nach. Ich habe jeden Schritt gemeistert. Naht für Naht. Tränen über Tränen. Nun sitz ich hier mit einer dicken Backe und Lächel trotzdem, weil ich weiß ich hab das Grobe hinter mir. Ich bin Stolz auf mich. Wieder mehr Lebensgefühl zurückbekommen und mein Selbstwert aufbauen. Ein anderer Schritt den ich in meiner Partnerschaft gerade gehe ist das wir uns zur Paarberatung entschieden haben. 16 Jahre sind wir zusammen und es gab auch Zeiten wo wir uns verletzt haben und es nie richtig verarbeitet haben. Und gerade jetzt wo es uns gesundheitlich nicht gut geht, läuft das Fass ganz schnell über. Daher wollten wir die Hilfe. Unser Berater wirkt auch unterstützend für uns als Familie. Unsere Tochter ist ein Tween und auch jetzt schon manchmal zu anstrengend. Aber wir sind eine Einheit. Ohne meine 2 würde ich das ganze hier nicht aushalten und dafür bin ich sehr dankbar. Kleine Schritte für Gesundheit, Familie und Arbeit. Bald, bald geht es uns wieder gut und können glücklicher Leben. Ja, das glaube ich ganz fest.

SlowMo

Endlich hat es ab nächster Woche wieder einen Lichtblick. Die Zeit zieht sich wie klebriger Kaugummi. Ich fühle mich oft wieder im Tief und versuche zwanghaft das positive darin zu sehen. Dass ich mir eine fette Erkältung zugezogen haben macht es mir nicht einfacher. Dann weiß ich hoffentlich wie es mit meiner Reha nun laufen wird. Immerhin möchte ich auch wieder arbeiten können. 72 Wochen krank ist einfach zu viel. Nicht das ich die Auszeit nicht bräuchte aber ehrlich, ich weiß mit meiner Zeit kaum was anzufangen. Schnell hab ich mich dann wieder auf die Couch gelegt und geschlafen, solange ich zu Hause alleine war. Vielleicht hat dies auch ein Schutzeffekt um mich nicht mit mir selbst befassen zu müssen. Vieles verstehe ich noch nicht und warte immer noch auf Wartelisten von Therapeuten. Ich kenne meine Impulse aber nicht meine Auslöser und wie ich damit besser umgehen kann. Ich fühle mich bei kleinen Dingen schon fies getriggert. Und, wenn ich wieder einfach alles ignoriere werde ich Abends flatterig und fühle mich so taub, dass ich denke das ich ohnmächtig werde. OK, vielleicht trägt gerade die vergangenen Tage mit Fieber einen Beitrag. Aber das Gefühl kurz vor einer Panikattacke zu stehen ist beängstigend. Und Nachts wach zu liegen, weil man Angst hat nicht mehr aufzuwachen. Ich möchte das nicht mehr. Nein, ich will das nicht mehr. Ich habe es satt. Ich möchte glücklich sein und das wieder mit meinen Lieben teilen. Kann man müde vom Kranksein sein? Ich glaube ja.

Wenn man doch nur wieder schlafen geht.

Wenn Depression eine Sache mitbringt,dann ist es die Motivationslosigkeit. Ich mache wirklich kleine Schritte aber manchmal sind die mir auch schon zu viel. Gerade, wenn es darum geht etwas für mich zu tun. Ich bin gerne kreativ und versuche mich da langsam wieder ranzutasten. Habe eine 30 Tage kreativ Challenge gefunden, wo es darum geht täglich ein thematisiertes Bild zu malen. Und dann gibt es die Dinge, die ich machen sollte. Sport. Es ist kein Vorsatz für 2020. Ich mache nur einen Vorsatz seit Jahren. Aber durch die ganzen Medikamente und die Gefühlsachterbahnen steigt meine Waage unaufhörlich und ich fühle mich mittlerweile sehr unwohl. Gefolgt davon sollten wir auch unserer Ernährung umstellen, was als Familie für uns problematisch ist. Denn A. sollte zulegen, Ich abnehmen und unser Teeny futtert eh alles quer Beet.

Das scheint echt nicht viel aber für mich artet das gefühlt in Arbeit aus und dann wähle ich wieder die bequeme Variante. Und dann ärger ich mich wieder und futter. Teufelskreis.

„Es war ein Unfall“ F**** dich!

Mein Kinderwunsch bzw Unserer war nie ein Geheimnis. Aber der Kampf dahinter. Nach dem die Kleine Große 2 wurde entschieden wir weiter zu machen. Und ehrlich der Kampf besteht nur aus Steinen,Schluchten, Tränen und Geld. Jeder der mir sagt: Bleib entspannt – den könnt ich paar pfeifen. Ich bin eben nicht mehr entspannt. Frühe Abgänge, Arbeitssorgen, Geldprobleme und Depression. Meine Ampel leuchtet im Diskoschritt. Wir können es auch nicht einfach nur nebenbei laufen lassen. Die Depression erledigt für mich den Rest, ich bekomm den Kopf  nicht frei, kann mich nicht fallen lassen und ehrlich meine Libido kann man im Keller suchen. Es ist ein fieser und kräfte zehrender Kampf. Unsere Beziehung leidet darunter aber Aufgeben ist keine Option. Wir schreiben jetzt 2020 und das einzige was ich hinbekommen habe sind 4 frühe Abgänge. Ich habe es satt in Angst zu leben. Ich will frei davon sein. Ich weiß nicht was ich für Optionen habe.. Laut meinen Jahreshoroskop soll es für mich dieses Jahr gut aus sehen… Die Planeten stehen gut. Wer sagt das meiner Libido? „Sie sind jung und gesund, ihnen steht alles offen“ Ich könnte kotzen wenn ich das höre. Ich werde nicht Ernst genommen. Was ich an den Jahren an Geld ausgegeben habe will ich gar nicht hochrechnen. Ich geb mich auch nicht nur „mit dem einem Kind“ zufrieden. Ich möchte mehr und ich kann mehr geben. Ich tue nichts was mir schadet ich rauche nicht, trink nur zu Anlässen mal ein Glas und Drogen habe ich auch nie genommen. Also warum zum Teufel habe ich das nachsehen? Warum werden andere im Augenzwinkern schwanger oder verhüten sogar? Warum passiert denen das? Und dann nehmen sie sich das Recht und treiben das Kind ab? Ich kenne keinen der so offen über den Kinderwunsch schreibt und wie sehr man nach den Jahren darunter leidet. Mich kotzt es einfach nur noch an. Ich höre schon meine Therapeutin reden: Sie sind so wütend, wo geht diese ganze Wut hin?

Kann ich sagen: Ich fress den ganzen Scheiß und werd deprimiert.

Schrei-Nachten

Oder auch WeiNnachten. Ehrlich, ich liebe Weihnachten. Ich plane immer alles bis ins Detail und versuche jeden eine Freude zu machen. Und vor allem satt und Prall. Aber dieses Jahr trügt der Glitzer der Weihnacht. Wieder erwische ich mich wie ich vor mir herträume und mich vor Dingen drücke. Ich versuche nicht Negativ zu denken aber es fällt mir nach wie vor noch sehr schwer. Gestern startete der Morgen schon schlecht, ich habe wieder schlecht geträumt und habe es an jeden auslassen müssen. Meine Familie kam zum Kaffee und Bescherrung. Ein gemeinsames Abendessen rundete den Abend ab. Jeder sah glücklich aus. Nur in mir brodelte es. Ein wirklich unbedachter Spruch meines Fast-Teenys brachte mein Fass zum Überlaufen. Ich wurde laut und brach in Tränen aus. Ich verschanzte mich im Schlafzimmer, um irgendwie mit den Gefühlen klarzukommen. Ein Familiengespräch machte die Sache nicht besser, ich fühlte mich zu Unrecht behandelt. Ich beschuldigte mein Partner Weihnachten zu ruinieren und bekam Schuldgefühle. Denn in Wahrheit war Ich es. Ich bin diejenige die mit Situationen nicht klarkommt, die die nicht die richtigen Worte findet. Da wurde mir nochmal richtig bewusst – die Depression bleibt. Dementsprechend war meine Nacht und heute Morgen. Ich wollte Pancakes machen mit frischem Obst, Sirup und Pancakes. Wollte. Keiner sah appetitlich aus. Wieder brach ich in Tränen aus. Nichts kann Perfekt sein. Mein Partner, nennen wir A., zauberte aus dem restlichen Teig paar leckere. Aus Frust aß ich meine leicht angebrannten. Wieder musste ich weinen.

Ehrlich, mich nervt es. Keine richtige Kontrolle über sich selbst zu haben. Nun sitze ich hier mit pochenden Kopfschmerzen und schüttel den Kopf darüber. Darüber das ich dachte Weihnachten könnte perfekt werden. Es ist alles leider nur Wunschdenken. Von mir aus kann 2019 nun in die Akten, ich bin fertig damit.

Licht am Horizont?

Ich puste mal den Staub hier weg und möchte gerne wieder etwas Leben einhauchen. 2017 war mein letzter Eintrag, was ist seitdem passiert?

Ich habe meinen Job am Ende gekündigt, weil gar nichts mehr ging. In meiner Beziehung kriselte es immer mehr und ich lief auch nur noch mechanisch. Gepaart mit Panikattacken und schlaflosen Nächten. Ich fand auch darauf einen Job der wieder etwas Ruhe reinbrachte und es hier alles geregelter laufen konnte. Doch so wirklich ging es mir nicht besser. Ein Projektwechsel brachte mein Fass zum Überlaufen und ich war völlig am Ende. Die Depression hatte mich völlig im Griff und die Angst nahm mich immer mehr ein. Ich zog mich zurück. Ich lies mich Ende 2018 krankschreiben weil ich nicht mal mehr aufstehen konnte. Ich habe die einfachsten Sachen nicht mehr hinbekommen. Ich stimmte sofort Antidepressiva zu. Zu meinem Leid bekam ich viel mehr Nebenwirkungen als mir lieb war. Ich schlief den ganzen Tag und musste mich überwinden unser Kind zur Schule zu begleiten. Es war grausam, für alle.

2 weitere Medikamentenwechsel und nichts half. Therapieplätze – Mangelware. Viel zu spät konnte ich stationär in einer Klinik unterkommen. Entlassen wurde ich jetzt Ende November. Ich habe sehr viel mitgenommen, viele Wahrheiten erkannt und neue Ziele mitgenommen. Nun bin ich wieder zu Hause, immernoch krankgeschrieben. Mir geht es besser, nicht gut oder gar „perfekt“. Ich kann endlich wieder positive Gefühle zulassen und spüren. Lange, viel zu lange, habe ich alles negativ gesehen.

Nun möchte ich das Jahr ausklingen lassen und einfach abschließen. Meine Ziele für 2020 sind fest. Termine, Reha, noch mehr Anträge. Es wird nicht einfach aber meinen Kampf gebe ich nicht auf.

 

2017

Ich starte mein Jahr, auch wenn es schon März ist, weniger depressiv.

Das Negative dasein ist einfach nicht gut für mich. Ich habe ein Leben und das zog zeitweise einfach vorbei.

Ein Todesfall in meiner Familie brachte mich zum Umdenken. Denn eigentlich verhalte ich mich egoistisch.

Warum ertrinke ich in meinen Problemen und bemitleide mich selber ? Andere tun es ja offensichtlich nicht. Ich war niemand der offen über solche Probleme und Gedanken reden konnte. Und tatsächlich habe ich eigentlich auch nur einen den ich mein inneres offenbaren kann. Denn Freunde habe ich nur eine handvoll. Die einen wohnen weit weg und die anderen gehören zur „Schwieger-Familie“ und selbst da weiß nur ein ein kleiner Prozentsatz was in meinen Kopf rumgeht.

Aktuell gestaltet sich unser Alltag nur aus Arbeit und Familie. Dem will ich auch entgegen gehen und plane schon Tage für kleine Ausflüge.

Und natürlich ist unser Kinderwunsch immer noch aktuell. Auch nach den vielen Jahren habe ich nie aufgegeben auch wenn es hoffnungslos scheint.Es ist schwer – gerade auch jetzt wo der Frühling zuschlägt und nur Neugeborene und Schwangere siehst. Das ist doch ein Fluch.. Ratschläge kann ich schon gar nicht mehr ernst nehmen auch wenn sie gut gemeint sind. Es soll einfach nicht mehr „DER FOKUS“ sein. Ich werde weiterhin meine Termine einhalten und weiterhin empfohlenen Tabletten werfen. Aber ich werde nicht mehr meinen Kopf zerbrechen mit „was wäre wenn“ Es macht einen nur verrückt und man versinkt darin. Nein das hört auf.

Ich habe ein klares Ziel vor Augen und das nennt sich Familie.

Ignorier mich

Warum hab ich das Gefühl als würde sich plötzlich keiner um mich Sorgen? Ich will kein Mitleid aber vorher kamen auch immer alle und fragten was los sei. Ich hätte auch jetzt keine Antwort dazu. Wüsste ich es selber müsste ich nicht so mit mir kämpfen. Meine Wut ist anstrengend. Ich bin nun überhaupt kein Mensch der Streit sucht oder auf sowas reagiert. Aber schon der kleinste Funken würde es zu explodieren bringen. Ich weiß nicht ob ich dem einfach nachgebe oder ich weiterhin versuche meine Maske zu halten. Es nervt mich alles und jeder. Ich kann gerade keine Witze verstehen auch wenn ich früher darüber gelacht hätte. Wozu Lachen?

Kommunikation ist gleich 0.
Ich bin gerade nicht in der Stimmung zu erzählen was los ist oder wie es mir geht. Soziale Kontakte würde ich komplett meiden wenn ich nicht müsste. Immernoch versuche ich eine Kindgerechte Erklärung zu finden. Sie merkt doch das was mit mir was nicht stimmt.

Ich hasse mich dafür gerade jeden Glücklich zu sehen.
Es gibt Wendungen für jeden.
Richtungswechsel. Neue Ziele.
Wie tief muss ich noch durch Dreck stampfen bis ich mal Glück habe positiv vorrauszusehen?